

Was sind Parafunktionen?
Parafunktionen sind unphysiologische, nicht-zweckgerichtete Aktivitäten des stomatognathen (Kau-) Systems. Sie dienen nicht Kauen, Schlucken oder Sprechen und treten häufig unbewusst auf.
Typische orale Parafunktionen
Zungenpressen (atypisches Schluckmuster)
Zähnepressen (Clenching)
Zähneknirschen (Grinding)
Kauen auf Gegenständen (Stifte, Nägel)
Lippen-/Wangenbeißen
Pathophysiologie , Entstehung (heutiger Konsens):
- Okklusionsstörungen gelten nicht als primäre Ursache
- Psychosoziale Faktoren wichtiger als Okklusion
- Zentralnervös gesteuert (Basalganglien, Hirnstamm)
- Häufige Kofaktoren:
- Stress, Angst, hohe Vigilanz
- Schlafstörungen (z. B. OSAS)
- Medikamente (SSRI, SNRI, Amphetamine)
- Nikotin, Koffein, Alkohol
Bruxismus als spezielle Parafunktion
Bruxismus ist eine spezifische Parafunktion und wird heute als schlaf- oder wachassoziierte motorische Aktivität definiert – keine Krankheit, sondern ein Verhaltensmuster mit potenziell pathologischen Folgen.
Was ist Bruxismus?
Bruxismus bezeichnet unbewusstes Zähneknirschen oder Zähnepressen, das meist Tagsüber, manchmal aber auch Nachts auftritt. Es handelt sich um eine parafunktionelle Aktivität des Kauapparates – also eine Bewegung/Belastung, die nicht dem normalen Kauen oder Sprechen dient.
Formen des Bruxismus
- Schlafbruxismus
- Seltenste Form (15-20 % der Bevölkerung)
- Tritt in bestimmten Schlafphasen auf
- Oft mit Mikro-Weckreaktionen (Arousals) verbunden
- Wachbruxismus
- Häufigste form (> 40 % der Bevölkerung)
- Bewusster oder halb-bewusster Druck auf die Zähne
- Oft durch Stress, Konzentration, oder Gewohnheit ausgelöst
- Meist Pressen, weniger Knirschen
Typische Symptome
- Abrasionen der Zahnoberflächen (Schmelzverlust, “Flattening”)
- Empfindliche Zähne
- Verspannte Kaumuskulatur (Masseter, Temporalis)
- Kiefergelenksbeschwerden (Krachen, Schmerzen)
- Kopfschmerzen (v. a. Schläfenbereich)
- Morgensteifigkeit im Kiefer
- Schmerzen beim Kauen
Ursachen (multifaktoriell)
- Stress, Angst, emotionale Belastung
- Regelmäßiger Alkoholkonsum
- Schlafstörungen
- Fehlkontakte / Okklusionsstörungen (spielen heute eine geringere Rolle als früher angenommen)
- Neurologische oder medikamentöse Faktoren
- Bestimmte Persönlichkeitsmuster (z. B. hoher Perfektionismus)
Folgen für die Zähne und das Kiefergelenk (CMD)
- Zunehmende Zahnhartsubstanzverluste
- Risse im Schmelz
- Abfrakturen von Füllungen / Zahnersatz
- Kiefergelenkserkrankungen (CMD)
- Muskelhypertrophie (v. a. Masseter)
Behandlung (evidenzbasiert)
1. Aufbissschiene (Knirscherschiene)
- Standard-Therapie
- Schutz der Zähne, Entlastung der Muskulatur
- Hart, adjustiert, oft Michigan- oder Äquivalent
2. Stress- und Verhaltensmanagement
- Schlafhygiene
- Entspannungstechniken
- Biofeedback (vor allem bei Wachbruxismus)
3. Physiotherapie / Manuelle Therapie
- Triggerpunkt-Behandlung
- Übungen für Kiefermuskulatur und Haltung
4 .Botulinumtoxin (bei schweren Fällen)
- Reduktion der Masseter-/Temporalis-Aktivität
- Besonders hilfreich bei Muskelhypertrophie und Therapieresistenz
5. Okklusionskorrektur
- Nur in Ausnahmefällen, wenn klare Fehlkontakte vorliegen